MIT FRAUENPOWER SELBSTSTÄNDIG

Montag, 23. September 2019

Herausforderungen gibt es jeden Tag unzählige, sowohl dienstlich als auch privat

Mit unserem ESF- Projekt "Mit Frauenpower selbstständig" motivieren wir Frauen, ihr Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen, sich eigener Stärken bewusst zu sein und neue Perspektiven zu starten!

 

Warum nicht darüber nachdenken, Chancen zu ergreifen, neue Wege aus der Arbeitslosigkeit zu suchen oder auch Jobunzufriedenheit ernst zu nehmen?

 

Warum nicht darüber nachdenken, die eigene Chefin zu werden? In unserem Frauenpower-Netzwerk treffen sich monatlich Unternehmerinnen mit Frauen, die diesen Weg vorhaben bzw. auf diesem Weg sind. (Das Projekt "Mit Frauenpower selbstständig" wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.)

 

Im Rahmen einer Interviewreihe stellen wir Ihnen einige dieser Powerfrauen vor.

 

Unsere erste Interviewpartnerin ist unsere Geschäftsführerin, Dr. Karin Köhli, die 1990 - gemeinsam mit ihrem Mann - die BBI - Bildungs- und Beratungsinstitut GmbH gründete und in mittlerweile 23 Jahren erfolgreicher Selbstständigkeit Höhen erreicht und Tiefen gemeistert hat.

 

Frau Dr. Köhli, wann haben Sie den Gedanken an Selbstständigkeit das erste Mal gefasst? oder: Wie kam es zu Ihrer Selbstständigkeit?

 

Ich bin promovierte Informatikerin und war 1990 als Fachschullehrerin für Informatik an der Fachschule für Agrochemie und Pflanzenschutz in Halle/Wettin tätig. Diese Arbeit hat mir viel Spaß gemacht. Die gesellschaftlichen Veränderungen führten dazu, dass die Fachschule in eine Berufsschule aufgenommen wurde, und dass ich ohne Pädagogikdiplom an einer Berufsschule nicht unterrichten durfte.

Mein Mann, Prof. Köhli, hatte an der Hochschule Anhalt Kontakt zu Bildungsdienstleistern aus den alten Bundesländern, die gemeinsam mit Hochschullehrern eine private Erwachsenenbildungseinrichtung in Sachsen-Anhalt aufbauen wollten. Unter den Hochschullehrern fanden sich dazu keine Interessenten.

Aber mein Mann nahm die Idee auf, recherchierte viel, gründetet die BBI - Bildungs- und Beratungsinstitut GmbH und ich übernahm, gemeinsam mit ihm, am 1.9.1990 die Geschäftsführung.

 

Wie alt waren Sie zu diesem Zeitpunkt und in welcher beruflichen bzw. Lebenssituation waren Sie?

 

Zu diesem Zeitpunkt war ich 37 Jahre alt, und mein Sohn besuchte das Georg-Kantor-Gymnasium in Halle-Neustadt und hatte dort einen Internatsplatz bekommen.

 

Hatten Sie damals eine konkrete Idee? Hat sich Ihre Idee (der Inhalt Ihres Unternehmens) im Laufe Ihrer selbständigen Tätigkeit verändert / erweitert? Können Sie diese Entwicklung schildern?

 

Wenn ich zurück blicke, muss ich schon sagen, dass ich anfangs sehr unselbständig und auch sehr ängstlich war. Auch habe ich mich durchaus von Zeitgenossen, die sehr viel und sehr laut "tönten" beeindrucken lassen. Im Laufe der Zeit habe ich mich an die Verantwortung gewöhnt und kann besser einschätzen, wer etwas leistet und wer nur so tut als ob! In der Zusammenarbeit mit meinem Mann haben wir im Laufe der Zeit Arbeitsfelder abgesteckt, für die jeder verantwortlich ist. Das klappt gut so.

 

Vor welchen Herausforderungen standen Sie, und wie konnten Sie sie meistern?


Herausforderungen gibt es jeden Tag unzählige, sowohl dienstlich als auch privat. Private Herausforderung (Beispiel) Bis 1990 hatte ich einen großen Gemüsegarten, den ich bewirtschaftete, und auch als Hausfrau in Haus, Hof und Garten viel zu tun. Mit Beginn der Selbständigkeit gab es weder einen Feierabend vor 21 Uhr noch ein Wochenende. An den Wochentagen hatten wir Abendkurse, an den Wochenenden haben wir Konzepte geschrieben bzw. Wochenendseminare durchgeführt. Für meine Aufgaben als Hausfrau blieb keine Zeit. Entsprechend sahen nach kurzer Zeit Garten, Haus, Hof usw. aus. Im Herbst 1990 wurde der Gemüsegarten in Wiese umgestaltet. Und schweren Herzens und nach großer Überwindung habe ich mir eine Hilfe für den Haushalt gesucht. Geschäftliche Herausforderung (Beispiel) Ganz schlimm hat uns das Hochwasser an Weißer Elster und Saale Anfang Juni diesen Jahres getroffen. Drei Standorte und sechs Gebäude sind betroffen. Die Häuser waren überflutet, der Strom abgeschaltet, die Telefonanlagen, Servertechnik, Kühltechnik, PC-Technik, Mobiliar, Akten, PKW ... alles fiel dem stinkenden Flusswasser zum Opfer. Das Gefühl kann ich heute noch nicht beschreiben, als ich am 3.6.13 früh unsere beiden Gebäude in Zeitz in mitten eines großen Sees sah, der so tief war, dass ich auch mit Stiefeln nicht hingelangen konnte. In Abständen von wenigen Tagen wurden die Niederlassungen in Halle Ankerstr. und in Halle Trotha vom Wasser heimgesucht. Dieser Naturkatastrophe war man ausgeliefert. Nach einiger Zeit der Verzweiflung bzw. Ohnmacht begann das hektische Treiben der Wiederherstellung des alten Zustandes. Schlimm.

 

Hatten / haben Sie Ratgeber? Welche waren/sind Ihnen wichtig?

 

Zuerst eine sehr allgemeine Aussage: "Ratgeber sind sehr wichtig, aber die richtigen Ratgeber zu finden ist sehr schwer!" Und als guten Ratgeber würde ich auch niemanden bezeichnen, der nur einen Rat gibt, sondern einen, der bereit zu einer Diskussion ist und auch im Laufe der Problem- bzw. Aufgabendiskussion hilft, entsprechende Lösungen zu finden und Wege zu gehen. Ich verstehe auch Mitarbeiter als Ratgeber!

 

Welche(n) Tipp(s) möchten Sie Frauen geben, die über eine Selbstständigkeit nachdenken?

 

Männer sagen in der Regel: "Das kann ich"; Frauen sagen: "Ich versuche es". Mein Tipp ist also, der eigenen Kraft zu vertrauen und dem eigenen Ziel folgend zielgerichtet vorwärts gehen!

 

Wir danken Ihnen für dieses Interview!

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