MIT FRAUENPOWER SELBSTSTÄNDIG

Montag, 23. September 2019

"Die Selbstständigkeit ist ein großer Lernprozess, der andauert."

 

Mit unserem ESF- Projekt "Mit Frauenpower selbstständig" motivieren wir Frauen, ihr Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen, sich eigener Stärken bewusst zu sein und neue Perspektiven zu starten!

 

Warum nicht darüber nachdenken, Chancen zu ergreifen, neue Wege aus der Arbeitslosigkeit zu suchen, nach dem Studium durchzustarten oder auch Jobunzufriedenheit ernst zu nehmen? Warum nicht darüber nachdenken, die eigene Chefin zu werden?

 

In unserem Frauenpower-Netzwerk treffen sich monatlich Unternehmerinnen, mit Frauen, die diesen Weg vorhaben bzw. auf diesem Weg sind.

 

Im Rahmen einer Interviewreihe stellen wir Ihnen erfolgreiche Unternehmerinnen vor.

 

Unsere Gesprächspartnerinnen waren diesmal Dipl.-Chemikerin Monika Lelonek sowie Dr. Petra Göring, Geschäftsführerinnen der SmartMembranes GmbH.

 

1. Wann haben Sie den Gedanken an Selbstständigkeit das erste Mal gefasst? oder: Wie kam es zu Ihrer Selbstständigkeit?

 

Wir lernten uns auf einem Workshop im NEnA - Projekt (nano4women & Entrepreneurship -Academies) kennen. Im Rahmen dieses Workshops entwickelten und verteidigten wir im Team eine Gründungsidee (Firma, Produkt, Businessplan), die sich thematisch an unseren damaligen Forschungsarbeiten anlehnte und gewannen den 1.Platz!


Unter den Juroren saß ein führender Kopf des Fraunhofer-Institutes und fragte uns, ob wir uns vorstellen könnten, eine Firma zu gründen als Spin-Off des Fraunhofer Instituts für Werkstoffmechanik in Halle (Saale).

 

2. Wie alt waren Sie zu diesem Zeitpunkt und in welcher beruflichen bzw. Lebenssituation waren Sie?

 

2007 stand fest, dass wir erst einmal einen Business Plan schreiben werden, um die Gründungsidee für uns zu evaluieren. Das Startgeld gab es über die Fraunhofer Gesellschaft - für ein Jahr konnten wir mit dem FFE Programm gemeinsam daran arbeiten und unsere Gehälter bezahlen.


Monika Lelonek war zu dem Zeitpunkt 29, Diplom-Chemikerin und Doktorandin an der Universität Münster. Dr. Petra Göring war 37 und hatte eine Forschungsstelle an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg inne.


Die SmartMembranes GmbH wurde am 20.07.2009 in Halle (Saale) gegründet.

 

3. Hatten Sie damals eine konkrete Idee? Hat sich Ihre Idee (der Inhalt Ihres Unternehmens) im Laufe Ihrer selbständigen Tätigkeit verändert / erweitert? Können Sie diese Entwicklung schildern?

 

SmartMembranes ist heute der weltweit führende Hersteller von porösen hochgeordneten Materialien aus Aluminiumoxid und Silizium. Wobei wir zu Beginn den Schwerpunkt auf die Produktion von Aluminiumoxid legten und dieser Schwerpunkt sich verlagert hat. Zum Kerngeschäft heute gehört auch das Silizium mit definiert einstellbaren Membraneigenschaften und Strukturparametern.

 

4. Vor welchen Herausforderungen standen Sie und wie konnten Sie sie meistern?

 

Die Herausforderungen waren und sind groß und stellen sich täglich neu. Wir sind ja ein produzierendes Unternehmen, d.h. wir mussten und müssen viel in die Anlagen und Produktionsstrecken investieren, Finanzquellen akquirieren, unsere Produktionsanlagen ständig erweitern und entwickeln, Personal finden, das entsprechend spezialisiert ist. Einarbeitungszeiten können wir uns kaum leisten. Wir benötigen Fachkräfte wie Chemiker und Physiker, die eine entsprechende naturwissenschaftliche Basis mitbringen.

 

5. Welche Ängste hatten/haben Sie? Wie gehen Sie damit um?

 

Ängste sind immer da. Die Verantwortung sowohl gegenüber der Firma und unseren Mitarbeitern als auch deren Familien und natürlich auch gegenüber unseren Familien ist groß. Wir sind zwar eine GmbH, haften jedoch im schlimmsten Fall für alles aufgrund der bestehenden Verträge persönlich.

 

Insgesamt geht die Entwicklung (Bau und Entwicklung der Anlagen, finanzieller Hintergrund, Kundenakquise usw.) langsamer voran als gedacht.

 

6. Wie und wann bekamen Sie die ersten Aufträge? Wer sind Ihre Kunden?

 

Die ersten Aufträge bekamen wir nach einem Jahr. Universitäten und Forschungsinstitute sind eher temporäre Kunden, wissen jedoch um unsere Produkte, deren Nutzen und Einsatz. Während Industriekunden gefunden und überzeugt werden müssen, dann aber Dauerkunden werden.

 

7. Was halten Sie von dem Satz: "Selbständig heißt selbst und ständig"? oder Wie viele Stunden arbeiten Sie am Tag? Wie gut können Sie ihre berufliche Tätigkeit mit ihrem Privatleben (Familie, Freunde, Freizeit) vereinbaren?

 

Dieser Satz stimmt voll und ganz! Unsere Arbeitstage sind nicht auf 8 Stunden beschränkbar, jedoch können wir uns zu zweit absprechen und hineinteilen.

 

Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit kam die Selbstständigkeit im Wortsinn zu kurz - was getan werden muss, muss getan werden und der Druck ist dauerhaft hoch! Jedoch haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben, dass das kein Dauerzustand ist bzw. bleibt.


Freunde und Familie unterstützen uns.

 

8. Haben Sie Mitarbeiter und wenn ja, wie finden / fanden Sie Ihr Personal? Was ist Ihnen bei der Auswahl Ihrer Mitarbeiter wichtig?

 

Momentan beschäftigen wir vier MitarbeiterInnen. Wichtig ist uns Know How und Ausbildung, Wissen, das die MitarbeiterInnen mitbringen. Gut sind immer Empfehlungen, aber auch die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit ist diesbezüglich sehr gut.

 

9. Können Sie uns drei Ihrer persönlichen Charaktereigenschaften nennen, die Sie als Selbständige erfolgreich machen?

 

Ausdauer, Disziplin, Glaube + Hoffnung!


10. Hatten / haben Sie Ratgeber? Welche waren/sind Ihnen wichtig?

 

Wir haben einen guten Berater in unserem Investor gefunden. Aber auch der familiäre Hintergrund, der bedingungslose Rückhalt und das Daumendrücken sind uns wichtig.

 

11. Haben Sie (ein) Netzwerk(e)?

 

Wir arbeiten natürlich mit dem Fraunhofer-Institut, aber auch mit der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg und dem Max-Planck Institut für Mikrostrukturphysik Halle zusammen.


Netzwerke versuchen wir zu nutzen, z.B. das munich network - entrepreneurship & innovation - hier gibt es gute Workshopangebote zu Themen wir Marketing und Vertrieb.


Wir sind ja im Technologie- und Gründerzentrum Halle (Saale) ansässig und haben hier und regional Kontakte (z.B. univations) und Kontakte im Thüringer Raum.

 

12. Was hat Ihnen persönlich der Schritt in die Selbstständigkeit gebracht?

 

Viel Arbeit und Verantwortung! Aber auch Gestaltungsspielräume, beispielsweise zwischen Investoren und Gesellschaftern - was wollen wir gemeinsam erreichen und wie wollen wir es erreichen?


Die Selbstständigkeit ist ein großer Lernprozess, der andauert. Täglich werden wir mit Anforderungen konfrontiert, die mit unserer ursprünglichen Ausrichtung als Naturwissenschaftlerin nichts zu tun haben, wie z.B. Bürokratie, Finanzen und Finanzpläne, Arbeitsorganisation, Strukturen u.v.m.

 

13. Welche(n) Tipp(s) möchten Sie Frauen geben, die über eine Selbstständigkeit nachdenken?

 

Mut haben, ins kalte Wasser zu springen! Risikobereit sollte man sein, genauso wie flexibel auf Situationen zu reagieren. Man kann nicht alles planen, das ist eine wichtige Erkenntnis, und, man benötigt im Netzwerk Menschen, die in Notfällen eingreifen!

 

 

Wir danken Ihnen für dieses Interview!

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